Stromversorgung in Vietnam: Bilanz für das erste Halbjahr 2026 und Lösungsansätze für die Zukunft
Am 22. Juni 2026 trafen sich hochrangige Vertreter im Ministerium für Industrie und Handel unter der Leitung von Minister Lê Mạnh Hùng mit der Elektrizitätsgesellschaft Vietnams (EVN) und beteiligten Einheiten. Die Veranstaltung diente der umfassenden Bewertung der Stromversorgung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 und der Entwicklung von Lösungsstrategien für die Zukunft. Im Fokus standen die Bewältigung der Herausforderungen durch komplex Wetterbedingungen sowie der weiterhin steigende Strombedarf.
Hintergrund und Ziele des Treffens
Im Kontinuum der wirtschaftlichen Erholung und Entwicklung zeigt sich in Vietnam ein deutlicher Anstieg des Strombedarfs in der gesamten Gesellschaft. Gleichzeitig gestaltet sich die Wetterlage im Land weiterhin komplex: Mehrere Hitzewellen in Nord- und Zentralvietnam, kombiniert mit der Gefahr von Dürre und Salzwasserintrusion im Mekongdelta, stellen besondere Anforderungen an die Energieversorgung.
Wie Minister Lê Mạnh Hùng betonte, zielte das Treffen darauf ab, die aktuelle Lage der Stromversorgung zu evaluieren und kohärente, effektive Lösungen zur Sicherstellung der nationalen Energiesicherheit zu erarbeiten.
Stromversorgung im ersten Halbjahr 2026
Laut Bericht der EVN verlief die Stromversorgung im nationalen Netzwerk in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 sicher und stabil, wobei der gesamte Bedarf für Produktion, Handel und Haushalte vollständig gedeckt werden konnte. Die Gesamtstromproduktion erreichte etwa 142 Milliarden kWh, was einem Anstieg von 8,7 % gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 2025 entspricht.
Die Energiequellen verteilten sich wie folgt:
- Kohlekraft: ca. 67 Milliarden kWh (47,2 %)
- Wasserkraft: ca. 42 Milliarden kWh (29,6 %)
- Gaskraft: ca. 18 Milliarden kWh (12,7 %)
- Solarstrom: ca. 8 Milliarden kWh (5,6 %)
- Sonstige Quellen: ca. 7 Milliarden kWh (4,9 %)
Trotz dieser positiven Entwicklung blieb die Sicherstellung der Stromversorgung mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Insbesondere im Mai und Juni führten historische, anhaltende Hitzewellen zu einem sprunghaften Anstieg des Strombedarfs, in deren Folge zahlreiche Regionen zu Stromsparmaßnahmen greifen mussten.
Herausforderungen und Schwierigkeiten
Die EVN identifizierte folgende Hauptprobleme bei der Stromversorgung in den ersten sechs Monaten 2026:
- Unvorhersehbares Wetter, insbesondere anhaltende Hitzewellen in mehreren Regionen, führten zu einem die Prognosen übersteigenden Anstieg des Strombedarfs
- Mehrere Kohlekraftwerke mussten ihre Leistung reduzieren aufgrund von technischen Problemen oder geplanter Wartungsarbeiten
- Niedrigster Wasserstand in Stauseen in Nord- und Zentralvietnam infolge von Dürre, was die Wasserkraftproduktion beeinträchtigte
- Salzwasserintrusion im Mekongbeeinträchtigte die Produktion mehrerer Gaskraftwerke
- Druck durch Investitionen in die Entwicklung von Energiequellen und Stromnetzen zur Bewältigung des wachsenden Bedarfs
Lösungsansätze für die Zukunft
Im Verlauf des Treffens einigten sich die Teilnehmer auf folgende Hauptlösungen zur Sicherstellung einer stabilen und sicheren Stromversorgung in den kommenden Monaten:
- Priorisierung der Sicherheit des Stromnetzes, insbesondere während der sommerlichen Spitzenlastzeiten
- Stärkung der Vorhersage von Strombedarf und Energiequellen zur Entwicklung geeigneter Steuerungsmaßnahmen
- Beschleunigung der Umsetzung laufender Projekte zur Energieerzeugung und Netzinfrastruktur
- Stärkung der internationalen Zusammenarbeit in Südostasien zur gemeinsamen Nutzung von Energiequellen bei Bedarf
- Förderung erneuerbarer Energien, insbesondere Solar- und Windenergie
- Intensivierung von Stromsparrmaßnahmen und effizienterem Energieeinsatz
Leistungsbilanz der EVN im ersten Halbjahr 2026
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die wichtigsten Leistungsindikatoren der EVN in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026:
| Indikator | Wert 6/2026 | Veränderung ggü. 6/2025 | Planerfüllung für das Jahr |
|---|---|---|---|
| Stromproduktion (Mrd. kWh) | 142 | +8,7 % | 48,6 % |
| Umsatz (Tausend Mrd. VND) | 385 | +7,2 % | 47,8 % |
| Gewinn vor Steuern (Tausend Mrd. VND) | 45 | +5,8 % | 42,5 % |
| Installierte Leistung (MW) | 69.500 | +3,2 % | 51,2 % |
Anordnungen von Minister Lê Mạnh Hùng
Bei der Abschlussbewertung des Treffens hob Minister Lê Mạnh Hùng die folgenden Schwerpunktaufgaben für die Zukunft hervor:
- Konzentration auf die Gewährleistung der nationalen Energiesicherheit, um Stromengpässe zu vermeiden, insbesondere während der sommerlichen Spitzenlastzeiten
- Beschleunigung der Umsetzung von Investitionsprojekten zur Energieerzeugung und Netzinfrastruktur unter Gewährleistung von Qualität und Effizienz
- Stärkung des Managements des Stromnetzbetriebs, einschließlich der Anwendung digitaler Technologien zur Effizienzsteigerung
- Proaktive Entwicklung von Maßnahmen zur Bewältigung unvorhergesehener Wetter- und Energiequellensituationen
- Intensivierung der Aufklärung über sparsamen und effizienten Energieeinsatz
Ausblick und strategische Ausrichtung
Laut EVN wird das Unternehmen in den kommenden Jahren folgende strategische Schwerpunkte verfolgen:
- Diversifizierung der Energiequellen mit schrittweise Reduzierung der Kohleabhängigkeit und Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien
- Modernisierung des Stromnetzes mit Anwendung digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz im Management und Betrieb
- Entwicklung von Flüssiggas (LNG) zur Sicherstellung der Energiesicherheit
- Stärkung der internationalen Zusammenarbeit im Energiesektor
Die Sicherstellung einer stabilen und sicheren Stromversorgung ist nicht nur Aufgabe der EVN, sondern Verantwortung des gesamten politischen Systems und der Gesellschaft. Minister Lê Mạnh Hùng rief die Ministerien, Behörden, lokalen Verwaltungen und Bürger auf, gemeinsam an der Umsetzung von Stromsparmaßnahmen und effizienterem Energieeinsatz mitzuwirken, um zur nationalen Energiesicherheit beizutragen.